Erfinderwerkstatt – Rückblick

Bevor ich das Schuljahr verabschiede und mich auf den Weg in die Berge mache, hier noch wie versprochen ein kurzer Rückblick auf die Projektwoche „Erfinderwerkstatt“.
Im Moment ist bei mir gerade die Luft etwas draussen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie jeweils nach Schulschluss die Energie für einen Moment einfach weg ist. Wenn das Schuljahr noch eine Woche länger gedauert hätte, wäre dies sicher auch problemlos machbar gewesen, doch nun ist Ferienstart hier im Kanton und alles dauert bei mir um ein vielfaches länger. Wir werden sehen, ob ich diesen Blogbeitrag heute noch veröffentlichen kann. Wünschenswert wäre es sicher, denn derzeit sind die Erinnerungen an die Projektwoche noch am frischesten.

Konzept der Erfinderwerkstatt

Am Anfang war ich noch etwas skeptisch, wie die „Erfinderwerkstatt“ bei den Schülern ankommen wird, zumal auch mehrere bei der Vorstellungsrunde erwähnten, dass dieser Kurs nicht ihre erste Wahl war. Die Skepsis verflog aber relativ schnell, nachdem die Schüler selber ins Handeln kommen konnten. Bereits bei den „Einstiegserfindungen“ waren sie voller Eifer dabei und konnten es danach kaum erwarten endlich die eigene grössere „Erfindung“ in Angriff zu nehmen. Obwohl sie mit vier Halbtagen relativ viel Zeit selber einteilen und selbstständig arbeiten konnten, blieb die Konzentration sehr hoch und das bei relativ hohen Temperaturen im Schulhaus. Auch Schüler, die nicht gerade bekannt für ihren Eifer sind, zeigten grosses Engagement für ihr Projekt und mussten nur ganz vereinzelt aus dem Fang von Ablenkungen zurückgeführt werden. Mehrere Schüler setzten darüber hinaus ein Grossteil ihrer Freizeit in dieser Woche für die Weiterentwicklung ihrer Idee ein.
Sehr gut gefallen an diesem Projekt hat mir die Öffnung des Unterrichts in verschiedenster Hinsicht. Angefangen hat dies bei der Wahl des Ziels für die Erfindungen. Während eine Gruppe die Problematik der Mangelernährung ganz praktisch mit der Entwicklung eines Instantgetränks anpacken wollte, setzte es sich eine andere Gruppe zum Ziel die Menschen hier in der Schweiz mit einem Brettspiel von einem Lebensstil mit geringerem CO2-Ausstoss zu bewegen. Anschliessend haben die Gruppen für ihre Arbeit ganz verschiedene Schwerpunkte gesetzt: Während sich die einen ganz praktisch mit Werkzeugen an die Konstruktion eines Solar-Autos aus Abfällen machten, konstruierte eine andere Gruppe das Modell eines Multi-Kraftwerks in Minecraft. Eine Gruppe setzte relativ viel Zeit für eine detaillierte Recherche ein, eine andere fokussierte auf das „Machen“ und probierte verschiedene Prototypen aus, während eine dritte Gruppe nach einem Tag schon fast fertig war und danach für die Präsentation viel mit der Produktion von Videos herumexperimentierte. Auch die Grenzen des Schulzimmers wurden nach der Einführungsphase relativ schnell aufgelöst. Gearbeitet wurde in der Werkstatt, im Computerraum, auf dem Pausenplatz, bei Fachpersonen in der Umgebung, im Zeichnungszimmer und in diversen andern Schulzimmern.

Lehrperson in der Erfinderwerkstatt

Unterstützt wurde ich in dieser Woche von einer älteren Lehrperson aus dem Bereich Sport und Gestalten. Sie war zum Zeitpunkt der Kursausschreibung im Ausland und wurde von mir ins „kalte Wasser“ dieser Thematik geworfen. Zunächst noch etwas skeptisch blühte sie im Verlaufe der Woche auf und war Ende der Woche begeistert von der Arbeit und den Projekten der Schüler. Für sie war es die letzte Woche als Lehrperson, fand aber rückblickend, dass sie sich bei Unterricht in dieser Art gut vorstellen könnte später wieder einzusteigen.
Auch wenn die Woche für mich sicher um einiges strenger war, als die ursprüngliche Idee der Mitarbeit bei einer Sportwoche, ziehe ich ein sehr positives Fazit. Mir hat die Rolle des Coaches der einzelnen Gruppen sehr gut gefallen. Stark verunsichert bezüglich meiner Rolle war ich, inwiefern ich die Projekte einfach laufen lassen kann oder eingreifen sollte, falls ich sehe, dass die Gruppe in eine Sackgasse läuft. Ich habe relativ viel laufen lassen und so lief das Solarauto schlussendlich nur mit Batterien und der Solargrill entwickelte die nötige Hitze nur mit mehreren Kerzen. Am Schluss waren diese Schüler zwar stolz etwas Eigenes geschaffen zu haben, gleichzeitig aber auch etwas frustriert, dass ihr Plan nicht aufging. Ich werde bei ähnlichen Projekten sicher noch einiges an Erfahrung in Bezug auf den „goldenen Mittelweg“ sammeln müssen.

Transfer der Erfinderwerkstatt

Nach den positiven Erfahrungen der Projektwoche wäre es nun natürlich wünschenswert, Elemente daraus in den „normalen“ Unterricht zu transferieren. Dies bezieht sich vor allem auf die Integration der 4-K (siehe vorheriger Blogbeitrag) und die oben beschriebene Öffnung des Unterrichts. Diese Punkte waren mir eigentlich schon vorher bewusst, durch die positiven Erfahrungen habe ich nun aber neue Motivation, Schritte in diese Richtung zu machen. Denn was so einfach gesagt ist, erwies sich bisher in der Praxis als relativ schwierig. Gute Ideen und Vorsätze gingen bisher immer relativ schnell im Stoffdruck der Oberstufenschule unter. Bei der groben Schuljahresplanung nach den Ferien in den Bergen möchte ich aber ein spezielles Augenmerk auf die Definition von (zumindest) „Unterrichts-Inseln“ in dieser Art legen. Einige erste Ideen sind mir auf der Velofahrt heute Morgen bereits durch den Kopf gegangen…

persönliches Lernen in der Erfinderwerkstatt

Wie angekündigt, wollte ich die Erfinderwerkstatt auch zum Lernanlass für mich persönlich machen. Neben der neuen Unterrichtsform standen dabei vor allem die Themen Videoproduktion und 3D-Druck im Zentrum. Dass ich zumindest beim ersten einen kleinen Schritt weitergekommen bin, habe ich ja bereits im Blogbeitrag zu den Einblicken in die Projektwoche gezeigt. Es ist mir gelungen zwischendurch immer wieder kurze Videoaufnahmen zu machen und diese am Abend ganz rudimentär zu schneiden. Auch wenn die Ergebnisse mich noch nicht so überzeugen, ist sicher ein guter Ansatz, den ich dann gleich bei der Schlussfeier der Schule weitergezogen habe. In einem nächsten Schritt möchte ich nun noch an den Details (Kameraführung, Storytelling, Audioqualität, Colorgrading, …) arbeiten. Eventuell finde ich ja im privaten Rahmen in den Ferien Zeit dafür. Der 3D-Drucker im Schulzimmer blieb lange unbenutzt. Erst als ich ein erstes kleines Testmodell ausgedruckt hatte, kam eine Gruppe auf die Idee die Spielfiguren für das Brettspiel selber zu designen und auszudrucken. Zeit für viel experimentieren bliebe dabei leider nicht mehr. Die ersten Ergebnisse motivieren aber, das Thema weiterzuverfolgen.
Vorerst wird nun aber schulisch nicht allzu viel weiterverfolgt, sondern Bäche gestaut, Seilbahn gefahren und Steinmännchen gebaut. Ich freue mich aber jetzt schon auf grundlegende Überlegungen zur Planung des nächsten Schuljahres nach den Ferien. Bis dann!

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